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Krieg – Vaterland – Klassengesellschaft

In Haus der Demokratie und Menschenrechte, Berlin, Deutschland
Am 16. Juni 2014 20:00 - 22:00

Beschreibung

Der I. Weltkrieg und die Spaltung der Arbeiter/innenbewegung

Im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte um den Beginn des Ersten Weltkriegs steht die „Kriegsschuldfrage“. Verstärkt gibt es Versuche, die Hauptschuld des Deutschen Kaiserreichs am Ausbruch des Krieges zu relativieren. Und auf der Linken werden die Kriegsursachen vorrangig unter dem Gesichtspunkt einer aggressiven Außenpolitik Deutschlands diskutiert. Die innergesellschaftlichen Konflikte werden dabei häufig vernachlässigt. Doch steht gerade die auf die Provozierung Russlands gerichtete Kriegspolitik der deutschen Reichsregierung im Sommer 1914 im untrennbaren Zusammenhang mit dem Aufstreben der Sozialdemokratie. Taktik der „russischen Kriegsschuld“ und Politik des „Burgfriedens“ mit der Sozialdemokratie sind untrennbar.
Aber auch die Burgfriedenspolitik von (Mehrheits)Sozialdemokratie und Gewerkschaftsführungen wird von Linken selbst 100 Jahre später noch vorrangig in subjektzentrierten Kategorien wie „Verrat“ gedacht, ohne verstärkt nach wirkmächtigen soziokulturellen Mustern, sozialen Differenzierungen oder schon längerfristig gültigen ideologischen Standards wie „Nation“ und „Vaterland“ innerhalb der Arbeiter/innenbewegung Ausschau zu halten. Manchen Linken gilt sogar die von der Rechten behauptete „allgemeine Kriegsbegeisterung“ als derart selbstverständlich, dass sie darin schon die Vorwegnahme der faschistischen „Volksgemeinschaft“ sehen. Doch gab es diese überhaupt, und wenn ja, weshalb? Hatten sich durch das explosionsartige Wachstum des deutschen Kapitalismus nach 1871 nicht auch die Klassenwidersprüche verschärft?

Wir wollen in unserer Veranstaltung gerade nach solchen, häufig ausgeblendeten innergesellschaftlichen Konfliktkonstellationen, nach den soziokulturellen, sozioökonomischen und politischen Widersprüchen in Deutschland fragen, die einerseits zum Ersten Weltkrieg führten, aber auch durch den Kriegsbeginn nur verschärft und zugespitzt wurden – und damit auch zur Spaltung der Arbeiter/innenbewegung führten. Dabei sollen verbreitete Stereotype aufgebrochen und gefragt werden, wo wir selbst nur Mythen aufsitzen.

Vortrag und Diskussion mit:
Wolfgang Kruse (Fernuni Hagen, Autor von „Der Erste Weltkrieg“)

Einführung und Moderation:
Bernd Gehrke (AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West)

Eine Veranstaltung des Bildungswerks Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung in Kooperation mit dem AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West und der Stiftung Haus der Demokratie und Menschenrechte.

Realisiert aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.

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