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Das Begehren, ein Land zu verlassen

In Haus der Demokratie und Menschenrechte, Berlin, Deutschland
Am 9. Juli 2012 19:00 - 22:00

Beschreibung

Waren die AusreiseantragstellerInnen in der DDR ein Hindernis für die Opposition oder waren sie WiderstandskämpferInnen?
Reisefreiheit ist ein hohes Gut, in der DDR existierte sie nur eingeschränkt. Mit dem Mauerbau verhinderte die Staatsführung der DDR, dass Menschen ihr Land ohne großes Risiko in Richtung Westen verlassen konnten. Trotzdem gab es weiterhin das Begehren, auszureisen. Die Ausreisebewegung schwoll kontinuierlich an, bis zu ihrem Höhepunkt im Herbst 1989.
Für die DDR-Staatsführung war diese Bewegung ein massives Problem.

Renate Hürtgen untersucht seit dem Jahre 2008 den Umgang des Ministeriums für Staatssicherheit mit den „Antragstellern auf Ausreise“ in den 70er und 80er Jahren im Kreis Halberstadt. Im Rahmen ihrer Forschungsarbeit hat sie viele AusreiseantragstellerInnen befragt und Akten ausgewertet. Das Projekt richtet seine Aufmerksamkeit auf das Verhältnis von Staat und Partei zu den „Ausreisern“. Ein zweiter Komplex ihrer Forschungsarbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie diese Ausreisebewegung zu beurteilen sei. Hier hat es von Anfang an sehr unterschiedliche Auffassungen gegeben. Während einige Autoren das Ausreisen als eine Form des widerständigen Verhaltes bezeichnen, lehnen andere diese Einschätzung vollkommen ab.

Thomas Kleins Gegenargument lautet: das Kriterium der Wirkung auf das Ministerium für Staatssicherheit als politisch negativ ist kein objektives, es verwischt die Grenzen zu anderen, vom Ministerium für Staatssicherheit als Bedrohung empfundenes Verhalten und folgt letztlich der Logik des Herrschaftsapparates. Vor allem aber verwischten die Konturen und damit die besondere Qualität von Opposition und Widerstand, wenn nunmehr jede Regelverletzung zu ihnen gerechnet werden soll.

In dieser Veranstaltung wird es ein Streitgespräch zwischen Renate Hürtgen und Thomas Klein über den Charakter der Ausreisebewegung geben. Dabei wird Renate Hürtgen ihre Forschungsergebnisse aus dem Kreis Halberstadt vorstellen und Thomas Klein über seine Erfahrungen als DDR-Oppositioneller mit der Ausreisebewegung in Berlin berichten. Waren die AntragstellerInnen ein Hindernis für die Opposition oder WiderstandskämpferInnen?

Mit Renate Hürtgen und Thomas Klein (beide Historiker, Zentrum für zeithistorische Forschung Potsdam)

Die Veranstaltung ist kostenfrei.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Sie wird realisiert aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.

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